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9. Februar 2010
Charles Eric Huber, o.T. (Moçambique). Handabzug auf Barytpapier
8. Februar 2010
Galsan Tschinag sitzt immer wieder neun Stunden in den Wolken, wie er sich ausdrückt. Mehrmals im Jahr fliegt er zwischen der Mongolei und Deutschland hin und her, um Hiesiges zu seinem Volk und Dortiges in unsere Breiten zu bringen. Er kommuniziert mit Worten und er heilt mit Worten... Aus unserer ersten Begegnung im November 2003, als er mein Gast war auf dem Roten Sofa, reifte die Idee zu einem Buch über ihn und seine Art zu heilen und zu kommunizieren. Über mehrere Jahre hinweg beobachtete ich ihn in Seminaren hier im Westen, sprach mit ihm und mit Experten für Ethnomedizin über andere Heilweisen und Lebensphilosophie. Jetzt, aufs Frühjahr, ist das Buch fertig. Mehr dazu: Der Schamane. Begegnung mit Galsan Tschinag.
7.9.2009
6.9.2009
Immer wieder hört man von langweiligen Kulturteilen, die bevorstehenden Relaunches von Tages-Anzeiger und Neuer Zürcher Zeitung - so hört man, sehen in der Tendenz eine Aufwertung vor. Die Basler Zeitung hat sich zeitweise darin verstiegen, Kulturveranstaltungen nur noch als potenzielle Anzeigen zu sehen (dann aber, soweit es ging, zurückgerudert).
These 1: Kultur braucht ihren Platz in den Medien und sie hat ihn. Je nach Definition. Der Soziologe Niklas Luhmann beschreibt in seinem Werk «Die Realität der Massenmedien» Medien als strukturelle Voraussetzung für Kultur: «Alles, was wir über die Welt wissen, wissen wir durch die Massenmedien.» Trifft das zu, ist genau das, was in den Medien thematisiert wird, unsere Kultur. In Ressortkategorien gedacht, heisst das, das Feuilleton muss (wieder) ein Debattenfeuilleton sein (oder werden). Das ist möglich. Gerade die Feuilletonisten haben sich in der Analyse der Wirtschaftskrise, als besser präpariert, scharfsichtiger und klarer profiliert als mancher Kollege aus dem Wirtschaftsressort. Wie sehr, das untersucht gegenwärtig ein Student in seiner Bacherlorarbeit bei mir an der Uni Fribourg.
These 2: Der Kulturjournalismus ist im Umbruch. Das ist gut so.
Das Internet hat die Informationsschleusen geöffnet, Journalisten werden nie mehr Schleusenwärter sein, die bestimmen, wie gross die Informationsflut ist. Ihre Aufgabe heute ist es, Teile des Info-Stroms so abzuleiten und unterscheidbar zu machen von der grossen Flut, dass ihr Publikum fasziniert ist. Das erreichen sie klassisch – durch emotionalisieren, personalisieren, skandalisieren, aber auch durch Authentizität und Debatte. Das gilt auch für den Kulturjournalismus.
These 3: Wir brauchen einen Kulturjournalismus, der auf vier Säulen baut: Kritik, Weltoffenheit, Publikumsorientierung, Balance zwischen Distanz und Nähe.
- Kritikfähigkeit und Kritikbereitschaft. Das heisst: Vermittlung, Einschätzung, Kritik. Gegenwärtig herrscht hier, befördert durch den allgemeinen Spardruck insofern eine Verluderung, als die Vorschau immer stärker in den Vordergrund rückt.
- Weltoffene Kulturkritiker. Das heisst Journalisten, die nicht mit Kulturschaffenden paktieren, sondern das System Kultur kritisch beobachten. Journalisten, die informieren und nicht missionieren, indem sie – im Bund mit Kulturschaffenden – Kultur über alles heben und ein kritisches Hinterfragen eines Kulturprojekts als Beleg für den drohenden Untergang des Abendlandes beschreiben.
- Publikumsnahe Kulturjournalisten. Das heisst Journalisten, die ihr Publikum nicht ignorieren, sondern sich interessieren, für welche Art von Kultur – Comic, Hiphop, was auch immer – es sich begeistert. Und die neugierig ihr Publikum beobachten: Profis können den Parajournalismus der Amateure nutzen. Youtube zum Beispiel belegt, wie begierig Menschen die Öffentlichkeit nutzen, um sich selbst zur Marke zu machen. Youtube-Auftritte sind auch aufschlussreich als Quelle, um die Befindlichkeit einer Generation zu recherchieren.
- Medienhäuser, die wissen, wo journalistische Nähe - etwa in Form von Kulturpartnerschaften mit Institutionen - möglich und wo journalistische Distanz nötig ist.
26.8.2009
Was kann eigentlich Verlegern, Chefredaktoren etc. Besseres passieren als brühwarm zu erfahren, was Journalisten umtreibt? Warum sie alte Medien nicht mögen und weshalb die neuen nicht. Was ihnen in ihren Redaktionen nicht passt. Warum Professoren und Journalismusausbilder, die noch alte Predigten über Print etc. halten und sich in Neuen Medien nicht auskennen, auf den Mond gehören. Und und und.
Ein Kollege, der Journalist Kiyoshi Martinez, hat für alle, die ihren Ärger nicht zuhause oder beim Mountainbiken oder beim Holzhacken los werden wollen, eine Web-Plattform eingerichtet: http://AngryJournalist.com. Alles ist anonym, Gatekeeper ist der Seitenmacher höchstselbst.
Was soll man davon halten?
Mir gefällt das als Quelle, aus der sich mehr ablesen lässt, als aus vielen Umfragen, die Medienwissenschaftler machen. Die Anonymität passt mir nicht, muss aber wohl sein. Die vielen Reaktionen bestätigen auch, dass Medienjournalismus nicht eigentlich tot ist, sehr wohl aber in der Abhängigkeitsfalle gefangen scheint.
Das T-Shirt aus dem Store hingegen ist nur blöd. Sollen in etwa alle Anonymen sich am Shirt erkennen... Oder nur im Shirt posten?
18.8.2009
Diese Woche erhielt ich die Ernennung des Bayerischen Staatsministeriums zur Professorin. Zum nächsten Semester beginne ich an der Macromedia Hochschule am Campus in Köln. Ich freue mich natürlich sehr auf diese Aufgabe. Sie unterstreicht, was ich seit langem - an Hochschulen und in Redaktionen gemacht und erfahren habe. Und sie öffnet neue Perpektiven. Als Erstes sollte ich ein Foto schicken (das hier...) und mir wurden vier Sinn- und Zukunftsfragen gestellt.
Das ist gut so. Man sollte sich auch selber immer mal wieder fragen: Warum mache ich das eigentlich und was will ich damit.
Da muss ich noch rasch Hermann Hesse hervorholen. Sein "Stufen"-Gedicht ist zwar ein Klassiker, ich finde es aber auch zeitlos schön. Räume verlassen, neue Räume betreten - das macht das Leben so besonders!
Hier noch meine Positionen:
Journalistik studieren macht dann Sinn, wenn man Praxis und Theorie verbindet. Wer relevante Erkenntnisse aus der Journalismusforschung weiss, stochert im journalistischen Alltag weniger im Nebel; wer Porträttheorie kennt, schreibt bessere Porträts. Das wurde mir gerade in der Praxis klar, als Verantwortliche für ein Kulturressort und Ausbildungsbeauftragte einer Regionalzeitung.
Journalisten von morgen brauchen Rückgrat und sie müssen ihre Arbeit auf ein solides Fundament bauen. In allen Berichterstattungsfeldern. Sie müssen offen sein für den Wandel, aber auch sattelfest in Grundprinzipien ihres Berufes.
Journalismus als Berufsinhalt wird immer professionalisierter werden. Wer Profi sein will, muss seinen Handwerkskasten aufstocken mit breiterem Wissen über Journalismuskonzepte, internationale Journalismuskulturen u.v.m. In Zeiten, wo jeder jederzeit das Meer der Kommunikation weiter fluten kann, bedarf es dringend der Experten, die da noch navigieren können.
Aus all dem folgt, weshalb mir die Lehre ein Anliegen ist. Eine praxisorientierte und durch Theorie und Empirie fundierte Ausbildung in der Journalistik hat vier Grundsäulen: Analysieren, sich Herausforderungen stellen, vorbereitet sein, nicht nur einen Weg, sondern ein Wegenetz finden.
